Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Hamburg

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Liebe Kolleg*innen, liebe Kammermitglieder,

dieses Vorwort beginnt mit einer traurigen Nachricht: Der Gründungspräsident der Psychotherapeutenkammer Hamburg, Prof. Dr. Rainer Richter, ist am 18. März 2026 im Alter von 79 Jahren verstorben. Auf Seite 110 dieser PTJ-Ausgabe finden Sie einen gemeinsamen Nachruf der Bundespsychotherapeutenkammer, des Redaktionsbeirats des PTJ und der Hamburger Kammer.

Vor diesem Hintergrund fällt es nicht leicht, zu dem Thema überzugehen, das viele unserer Kammermitglieder betrifft: die Angriffe auf die ambulante Versorgung und besonders auf die Psychotherapie. Die vom Erweiterten Bewertungsausschuss im März 2026 beschlossenen und bereits zum 1. April in Kraft getretenen Honorarkürzungen um 4,5 Prozent waren erst der Anfang, wie der Regierungsentwurf des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes mit den geplanten Kürzungen für den ambulanten Versorgungsbereich zeigt. Die Kritik aus der Profession ist laut und findet, medial und in der breiten Öffentlichkeit, großen Zuspruch.

Auch in Hamburg versammelten sich am 15. April 2026 mehrere Hundert Menschen auf dem Rathausmarkt. Vizepräsident Torsten Michels war als Redner vor Ort und äußerte sich empört und kritisch zu den Einsparungen.

Ihr Kammervorstand

Soziales Entschädigungsrecht: Rückblick auf eine gut besuchte Online-Fortbildung am 23. April 2026

Viele Betroffene von Gewalttaten in Deutschland haben Anspruch auf eine Entschädigung nach dem Sozialen Entschädigungsrecht (SER). Das Sozialgesetzbuch XIV sieht eine Vielzahl an Hilfen bei gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen vor, inklusive ambulante Psychotherapie, wenn die Kosten nicht bzw. nicht mehr von der Krankenkasse übernommen werden.

Um einen verständlichen Einstieg in das SER, die Rechtsgrundlagen und Handlungsmöglichkeiten zu geben, lud die Kammer am 23. April 2026 zu einer Online-Fortbildung ein, die mit über 200 Teilnehmenden auf großes Interesse stieß. Nellie Hundorf, Leiterin des Versorgungs- und Integrationsamtes Hamburg, erläuterte mit ihrem Team die Anspruchsgrundlagen sowie das konkrete Antragsverfahren.

Ihr Kollege Mathias Knappert stand während der gesamten Veranstaltung mit den Teilnehmenden im Austausch, beantwortete als Referent für Soziales Entschädigungsrecht viele der eingegangenen Fragen und ergänzte zwischen den einzelnen Themenblöcken den Vortrag.

Der zweite Teil der Veranstaltung konzentrierte sich auf die mögliche Zusammenarbeit zwischen Versorgungsamt und psychotherapeutischen Praxen. „Wir möchten Ihnen konkrete Informationen an die Hand geben und Sie dazu ermutigen, die Möglichkeiten des neuen SER in Ihre Arbeit zu integrieren“, sprach Nellie Hundorf die Psychotherapeut*innen an.

Um Betroffene bei der Suche nach passenden psychotherapeutischen Angeboten unterstützen zu können, plant das Versorgungsamt, eine Liste mit kooperierenden Praxen zu erstellen. Bei Interesse melden Sie sich bitte beim Hamburger Versorgungsamt unter fallmanagement-ser@soziales.hamburg.de.

Nellie Hundorf, Leiterin des Hamburger Versorgungs- und Integrationsamtes, führte mit ihrem Team durch den Fachvortrag.

Nellie Hundorf, Leiterin des Hamburger Versorgungs- und Integrationsamtes, führte mit ihrem Team durch den Fachvortrag.


Kundgebung am 15. April 2026 vor dem Hamburger Rathaus

Am Mittwoch, den 15. April 2026, gingen bundesweit Psychotherapeut*innen auf die Straße, um gegen den Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses, die Honorare in der ambulanten Psychotherapie ab 1. April um 4,5 Prozent zu senken, zu protestieren. Auch in Hamburg versammelten sich mehrere Hundert Menschen auf dem Rathausmarkt. Vizepräsident Torsten Michels war als Redner vor Ort. „Die ambulante psychotherapeutische Versorgung ist bereits seit Jahren durch lange Wartezeiten und einen Mangel an Therapieplätzen geprägt, mit fatalen Folgen für die Betroffenen. Selbst die Studien und Reports der Krankenkassen zeigen die Bedeutung und den Wert von Psychotherapie. Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen erreichen neue Höchststände. Dagegen reduziert Psychotherapie nachweislich das Krankheitsrisiko und das Risiko für Frühberentung“, so Michels.

Demonstration zur Finanzierung der Weiterbildung am 9. Mai 2026

Die Folgen der Kürzungen sind auch für junge Psychotherapeut*innen spürbar. Immer noch gibt es keine gesetzliche Regelung zur Finanzierung der Weiterbildung. Umso wichtiger, dass die Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFako) und das PtW-Forum einen bundesweiten Aktionsmonat im Mai ausgerufen haben, um auf die Misere der Unterfinanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung und der fehlenden Weiterbildungsstellen aufmerksam zu machen und die Politik zum Handeln zu bewegen.

In Hamburg wurde am Samstag, den 9. Mai 2026 demonstriert. Heike Peper war als Kammerpräsidentin dabei und unterstützte die Studierenden bzw. Absolvent*innen in ihrem wichtigen Anliegen.

Psychotherapeut*innen äußerten auf der Kundgebung am 15.04.2026 ihr Unverständnis über die Honorarkürzungen. „Es ist eine Herabwürdigung unseres Berufsstandes“, sagte eine Psychologische Psychotherapeutin aus Altona.

Psychotherapeut*innen äußerten auf der Kundgebung am 15.04.2026 ihr Unverständnis über die Honorarkürzungen. „Es ist eine Herabwürdigung unseres Berufsstandes“, sagte eine Psychologische Psychotherapeutin aus Altona.


Berufsrecht für angestellte Psychotherapeut*innen: Freiheit und Weisungsgebundenheit in Einklang bringen

Am 25. Februar 2026 lud die Psychotherapeutenkammer Hamburg zu einer Online-Fortbildung zum Berufsrecht für angestellte Psychotherapeut*innen ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung „Zwischen Freiheit und Weisungsgebundenheit: Berufsrechtliche Grundlagen für angestellte Psychotherapeut*innen“ stand die Frage, wie sich die heilberufliche Eigenverantwortung mit den Rahmenbedingungen eines Arbeitsverhältnisses vereinbaren lässt.

Dr. Rainer Stelling (Justiziar der Kammer), Torsten Michels (Vizepräsident und Vorsitzender der Beschwerdekommission) sowie Julia Räbiger (Fachreferentin Recht) vermittelten die rechtlichen Grundlagen anhand praxisnaher Fallbeispiele. Die Referent*innen betonten, wie wichtig es ist, die berufliche Freiheit auch im Angestelltenverhältnis bei gleichzeitiger Einhaltung der rechtlichen Vorgaben zu wahren.

Aktuelle Antworten auf häufige Fragen zum Berufsrecht finden Sie in den fortlaufend aktualisierten FAQ auf der Kammer-Website.

Das Referent*innentrio stand den Teilnehmenden Rede und Antwort (v. l. n. r.): Julia Räbiger, Dr. Rainer Stelling und Torsten Michels

Das Referent*innentrio stand den Teilnehmenden Rede und Antwort (v. l. n. r.): Julia Räbiger, Dr. Rainer Stelling und Torsten Michels


102. Delegiertenversammlung: Dolmetschpool von SEGEMI und Appell für Prävention bei digitaler Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen

Heike Peper eröffnete am 18. Februar 2026 pünktlich um 19:00 Uhr die 102. Sitzung der Delegiertenversammlung (DV) in der AlsterCity. Nach herzlicher Begrüßung der anwesenden Delegierten begrüßte Heike Peper auch die beiden eingeladenen Referent*innen von SEGEMI – Seelische Gesundheit, Migration und Flucht e. V.

Klara Györbiro, Koordination Dolmetschpool, und Thorsten van der Velten, Geschäftsführung SEGEMI, stellten den Dolmetschpool vor: In ihrem Vortrag erläuterten sie Zielsetzung, Aufbau und Organisation sowie die praktische Arbeit des Pools. Im Anschluss beantworteten sie Fragen aus dem Plenum. Für weitere Informationen verwiesen sie auch auf die Website www.segemi.org/dolmetschpool und ermunterten abschließend alle ambulant Tätigen, den Dolmetschpool zu nutzen. Heike Peper bedankte sich bei den Referierenden für den Vortrag und vor allem für die wertvolle Arbeit.

Kammerpräsidentin Heike Peper mit den Gästen der 102. DV: Klara Györbiro und Thorsten van der Velten von SEGEMI e. V.

Kammerpräsidentin Heike Peper mit den Gästen der 102. DV: Klara Györbiro und Thorsten van der Velten von SEGEMI e. V.

Überarbeitung der Berufsordnung

Vizepräsident Torsten Michels präsentierte stellvertretend für den Vorstand den ersten Entwurf einer überarbeiteten Berufsordnung für die PTK Hamburg in Form eines Diskussionspapiers, der sich auf die zukünftigen Regelungen zu videogestützter Psychotherapie, mobilem Arbeiten und (digitalen) Arbeitsräumen fokussierte. Torsten Michels kündigte für die nächste DV-Sitzung im Mai die 1. Lesung einer Beschlussvorlage an. Zudem stehe bereits das nächste große Thema der Kommission Musterberufsordnung an: die Einbindung von KI-Tools in die psychotherapeutische Praxis.

Anpassung der Weiterbildungsordnung (WBO)

Ein weiterer Schwerpunkt der DV war die Anpassung der Weiterbildungsordnung (WBO) an die Musterweiterbildungsordnung (MWBO). Da die meisten Weiterbildungsstätten die psychotherapeutische Arbeit mit Säuglingen im Rahmen der Gebietsweiterbildung Kinder und Jugendliche nicht regelhaft anbieten können, war die entsprechende Vorgabe aus der MWBO gestrichen worden. Die Delegierten stimmten der Anpassung der Hamburger WBO zu und dankten der Geschäftsstelle für die sorgfältige Vorbereitung.

Resolution: Einstimmiger Appell für Prävention im digitalen Raum

Heike Peper stellte die vom Vorstand eingebrachte Resolution für mehr Präventionsangebote im Bereich digitaler Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen vor. Der Appell richte sich sowohl an die Hamburger Politik zur Ausweitung lokaler Präventionsmaßnahmen als auch an die Bundespolitik, um bundesweite gesetzliche Regelungen zu schaffen. Der Resolution, die zuvor im Ausschuss Psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen diskutiert und befürwortet wurde, wurde von der DV begrüßt und einstimmig verabschiedet.

Aktueller Stand der Weiterbildung in Hamburg

Vorstandsmitglied Dr. Claudia Gorba berichtete über leichte Zuwächse bei den Weiterbildungsstätten. Geschäftsführerin Karen Walter informierte, dass es aktuell 24 Kammermitglieder gebe, die ihr Studium nach neuem Recht abgeschlossen und die Approbation erlangt hätten.

Aktuelles aus den Ausschüssen, Kommissionen, Arbeitskreisen und aus der Geschäftsstelle

Die Vorstandsmitglieder boten den Delegierten gemeinsam mit den jeweiligen Vorsitzenden in gewohnter Weise einen aktuellen Einblick in die Arbeit der Gremien.

Dr. Eva-Kleinemeier-Thundiyil kündigte als Vorsitzende des Ausschusses Diversität und Antidiskriminierung zwei Veranstaltungen an, die für die Mitgliedschaft organisiert werden. Am 11. Juni 2026 findet ein Webinar für alle Kammermitglieder in Kooperation mit der Stiftung gegen Rassismus zum Thema „Rassismus im Gesundheitswesen: Rassismuskritisches Arbeiten als Querschnittsaufgabe für die Psychotherapie“ statt. Darüber hinaus wird es zum Jahresende eine Online-Schulung für alle Delegierten geben. Für 2027 seien Fortbildungen zur Autismusdiagnostik in Vorbereitung.

Torsten Michels informierte, dass die Beschwerdekommission im vergangenen Jahr eine hohe Arbeitsbelastung verzeichnete. Komplexe Fälle hätten dazu geführt, Sachverhalte über Anhörungen der Betroffenen zu klären.

Fides Rulfs berichtete vom letzten Treffen des Arbeitskreises PiA, (angehende) PtW & Psychotherapie-Studierende. Ein Thema sei die Vergütung der ambulanten Tätigkeit in der Weiterbildung gewesen. Dazu wolle sich der Arbeitskreis mit ver.di in Verbindung setzen.

Den Abschluss machte der Bericht der Geschäftsstelle: Eine Cyberversicherung ergänze künftig die Sicherheitsmaßnahmen der Geschäftsstelle. Die webbasierte IT-Anwendung TiONA werde schrittweise als digitale Arbeitsplattform für alle Kammergremien eingeführt. Zur Beitragserhebung 2026 berichtete Karen Walter, dass die Geschäftsstelle aufgrund der Digitalisierung deutlich schneller und fehlerfreier arbeite. Die Beitragsordnung werde im Mai um wenige notwendige Änderungen angepasst.

Wechsel und Abschluss

Dr. Michael Schödlbauer kündigte die Übergabe seines Mandats zur Mitte der Legislatur an seine Stellvertreterin Dr. Sarah Liebherz an und bedankte sich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Heike Peper schloss die Sitzung mit einem Dank an Dr. Michael Schödlbauer sowie an die Delegierten für ihr Engagement und die konstruktiven Diskussionen.


Kurznachrichten

Trauer um Prof. Dr. Rainer Richter

Wir trauern um unseren Gründungspräsidenten Prof. Dr. Rainer Richter. Gemeinsam mit der Bundespsychotherapeutenkammer und dem Institut für Psychotherapie (IfP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf werden wir mit seiner Familie und Weggefährt*innen in einer Gedenkfeier am 26. Juni 2026 Abschied nehmen.

Austausch-Treffen mit PtW

Die Kammer hatte am 18. März 2026 die ersten Hamburger Psychotherapeut*innen in Weiterbildung (PtW) zu einem Präsenztreffen eingeladen, um ihre Erfahrungen in die weitere Gestaltung und Umsetzung der Weiterbildung einzubeziehen. In dem sehr lebendigen und offenen Austausch berichteten die PtW von einer Reihe von Herausforderungen, die mit dem Start und den Rahmenbedingungen in den jeweiligen ambulanten Weiterbildungsstätten verbunden waren. Vonseiten der Kammer wurden insbesondere die Aufgaben der Kammer im Rahmen der Weiterbildung und des Berufsrechts sowie die politischen Aktivitäten zur Finanzierung der Weiterbildung dargestellt. Es sind weitere regelmäßige Austauschtreffen geplant.

Drei Betriebe für Gewaltprävention ausgezeichnet

Die Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. (HAG) hat am 27. April 2026 in der Handelskammer Hamburg die Preisträger*innen des Hamburger Gesundheitspreises 2026 bekanntgegeben. Unter dem diesjährigen Thema „Respekt. Sicherheit. Gesundheit. Umgang mit Gewalt im Betrieb“ macht der Preis gute Praxis sichtbar und setzt Impulse für sichere, respektvolle Arbeitswelten in Hamburg. Ausgezeichnet wurden drei Betriebe, die mit klaren Strukturen, transparenter Kommunikation und einem gelebten Schutzkonzept überzeugten. Karen Walter, Geschäftsführerin der PTK Hamburg, hielt als Jury-Mitglied die Laudatio für die Preisträger*innen vom BG-Klinikum Hamburg. Weitere Preise gingen an die Alida-Schmidt-Stiftung und an die PST Psychosoziale Betreuung gGmbH.


Information zu Bekanntmachungen

Folgende Änderungssatzung ist bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe verabschiedet, in Kraft getreten und online auf der Kammerwebsite bekannt gemacht worden:

2. Änderungssatzung Weiterbildungsordnung für Psychotherapeut*innen (ab 05.05.2026 in Kraft getreten)

Den aktuellen Stand können Sie jederzeit online unter folgendem Link nachlesen: www.ptk-hamburg.de/aktuelles/amtliche-bekanntmachungen/


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