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den, da entweder keine Effekte nachweisbar waren oder
andere Einschränkungen der methodischen Studienqualität
festzustellen waren (v. a. Patienten ohne festgestellte Anpas­
sungs-/Belastungsstörung mit Krankheitswert, keine adäqua­
te Diagnosestellung, keine reliable und valide Messung der
Zielkriterien).
Die Untersuchung von Scheck, Schaeffer und Gillette (1998,
Nr. 1) kann nicht als Wirksamkeitsnachweis herangezogen
werden, da der Altersbereich der Probanden (16-25 Jahre, M
= 20,9 Jahre) zu einem größeren Teil nicht in dem Anwen­
dungsbereich der Behandlung von Kindern und Jugendlichen
lag und die Altersgruppen nicht differenziert wurden.
Die Studie von Jaberghaderi, Greenwald, Rubin, Zand und
Dolatabadi (2004, Nr. 4) wurde zwar in das Gutachten zur
EMDR-Behandlung vom 06. Juli 2006 einbezogen, sie erfüllt
jedoch nicht die Kriterien des Methodenpapiers 2.8, weil kei­
ne valide Diagnosestellung erfolgte und unklar bleibt, ob bei
den Probanden eine PTBS mit Krankheitswert vorlag (Kriteri­
en A2 und C1). Daher muss diese Studie für den vorliegenden
Antrag negativ bewertet werden.
Die zwei übrigen randomisiert kontrollierten Studien unter­
suchten die Wirksamkeit von EMDR bei PTBS bei Kindern
und Jugendlichen im Alter von 6-12 (Nr. 2) bzw. 6-16 (Nr. 5)
Jahren im Vergleich zu einer Warte-Kontrollgruppe. Jedoch
können beide nicht als Wirksamkeitsnachweise für EMDR an­
erkannt werden.
Bei der Untersuchung von Ahmad, Larsson und Sundelin-
Wahlsten (2007, Nr. 5) bestehen Hinweise auf fehlerhafte
Analysen (Unstimmigkeiten zwischen Mittelwerten und
Standardabweichungen in den Tabellen und den im Text be­
richteten Ergebnissen der Kovarianz-Analysen hinsichtlich
der primären Zielkriterien). Die vom WBP befragten Autoren
sahen sich außer Stande, diese widersprüchlichen Angaben
aufzuklären. Weiterhin wurde in dieser Studie eine relativ ho­
he Anzahl an potenziellen Teilnehmern mit der Begründung
ausgeschlossen, dass eine andere Behandlungsform not­
wendig gewesen sei. Hierfür wurden jedoch keine Entschei­
dungskriterien genannt und es wurde keine Vergleichsanaly­
se der eingeschlossenen vs. ausgeschlossenen Probanden
durchgeführt.
Bei der Studie von Chemtob, Nakashima und Carlson (2002,
Nr. 2) fehlt eine statistische Interaktionsüberprüfung zwi­
schen Wartekontrollbedingung und Treatmentbedingung. Ein
Warteeffekt wurde mittels t-Test für zwei sekundäre, nicht
jedoch für das primäre Zielkriterium überprüft (dieses wurde
nicht zu beiden Messzeitpunkten der Wartezeit erhoben).
Auch werden keine Rohwerte zur Wartezeit angegeben. In
die nachfolgenden Varianzanalysen werden beide Untersu­
chungsgruppen als Interventionsgruppen eingeschlossen.
Dieses Vorgehen entspricht nicht der für eine kontrollierte
Studie notwendigen Ergebnisauswertung.
In keiner der geprüften Studien wurden unerwünschte Wir­
kungen erfasst. Bei der Literaturrecherche des Wissenschaft­
lichen Beirats wurden jedoch keine Studien identifiziert, die
unerwünschte Wirkungen der EMDR-Methode nachweisen.
Die in einer wissenschaftlichen Zeitschrift mit Peer-Review-
Verfahren veröffentlichte Meta-Analyse (Nr. 11) zeigte, dass
die EMDR-Methode sowohl im Vergleich zu unbehandelten
Kontrollgruppen und nicht-etablierten Traumabehandlungen
als auch im Vergleich zur kognitiv-behavioralen Traumathera­
pie (CBT) wirksam ist. Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass
in dieser Meta-Analyse größtenteils Studien mit Stichproben
ohne (diagnostisch valide) gestellte PTBS-Diagnose eingin­
gen und die Analyse auf lediglich sieben Studien (mit je klei­
nen Stichproben) beruht. Darüber hinaus fiel die Effektstärke
für den Vergleich zu CBT (n = 2 Studien) gering aus. Keine
der in der Meta-Analyse berücksichtigten Studien wurde im
Rahmen dieses Gutachtens anerkannt. Aus diesen Gründen
liefert die Metaanalyse keine zusätzlichen Informationen.
Damit sind gemäß Methodenpapier 2.8 weder die vom Wis­
senschaftlichen Beirat festgelegten Kriterien für die Anerken­
nung von EMDR für das Störungsbild PTBS (ICD-10: F43.1)
noch die Kriterien für die Anerkennung von EMDR für den
Anwendungsbereich 6 (Anpassungs- und Belastungsstörun­
gen, F43) erfüllt.
8. Zusammenfassende Stellungnahme
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie stellt zusam­
menfassend fest, dass die EMDR-Methode bei Kindern und
Jugendlichen als Methode zur Behandlung der Posttrauma­
tischen Belastungsstörung
nicht
als wissenschaftlich aner­
kannt gelten kann.
Ebenso kann EMDR bei Kindern und Jugendlichen
nicht
als
wissenschaftlich anerkannte Methode für den Anwendungs­
bereich 6 (Anpassungs- und Belastungsstörungen, F43) gel­
ten, da hierfür keine ausreichende Anzahl unabhängiger, me­
thodisch adäquater und valider Studien vorliegt.
Berlin, den 01.12.2014
Prof. Dr. phil. Günter Esser
(Vorsitzender)
Prof. Dr. med. Manfred Cierpka
(Stellvertretender Vorsitzender)
Korrespondenzadressen
Bundespsychotherapeutenkammer
Klosterstraße 64
10179 Berlin
(Geschäftsführung des WBP der vierten Amtsperiode)
Bundesärztekammer
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
1/2015 Psychotherapeuten
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