PTJ_2016-3 - page 13

Gutachters). In der Folge resultieren vermeidbare Therapie-
unterbrechungen und es wird ein sinnfreier, hochfrequenter
Versand von Antragsformularen induziert.
Gerade zwischen den probatorischen Sitzungen und dem
Beginn der Richtlinienpsychotherapie könnten dreiwöchige
Unterbrechungen nur dann vermieden werden, wenn service­
orientierte Krankenkassen dennoch ihren Versicherten zeit-
nah einen Bewilligungsbescheid zukommen lassen.
V. Rezidivprophylaxe
Bezüglich der Rezidivprophylaxe hatte der G-BA den Auftrag
erhalten, einen eigenen Leistungsbereich zu schaffen, um
die Versorgung von chronisch kranken Patienten zu optimie-
ren und erneute Erkrankungen besser zu verhindern. Wün-
schenswert wäre ein flexibles Behandlungsangebot nach
Abschluss einer Psychotherapie gewesen, das insbesondere
den längerfristigen Behandlungsbedarfen von chronisch und
schwer psychisch kranken Patienten stärker Rechnung trägt.
Leider hat der G-BA diesen Auftrag nicht erfüllt und eine Re-
gelung beschlossen, die gegenüber dem Status quo keine
Verbesserung darstellt, sondern im Gegenteil bestehende
Möglichkeiten unnötig bürokratisiert und einschränkt.
So können künftig Stunden aus dem Kontingent der bewillig-
ten Stunden explizit für die Rezidivprophylaxe umgewandelt
werden. Diese Umwandlung von Stunden des Gesamtkon-
tingents zur Rezidivprophylaxe ist dabei nur im Rahmen einer
Langzeittherapie möglich, für Patienten in der Kurzzeitthera-
pie ist diese Möglichkeit nicht vorgesehen. Dazu muss bei
Antragsstellung angegeben werden, wie viele Stunden des
bewilligten Gesamtkontingents nach Beendigung der eigent-
lichen Behandlung zur Rezidivprophylaxe eingesetzt werden
sollen. Diese können dann bis zu zwei Jahre nach Abschluss
der Langzeittherapie in Anspruch genommen werden. Die
Beantragung einer alleinigen Rezidivprophylaxe ist dagegen
nicht zulässig. Falls ein möglicher Einsatz der Rezidivprophy-
laxe bei Beantragung der Langzeittherapie noch nicht ab-
sehbar ist, muss dies im Bericht an den Gutachter begrün-
det werden. Eine Übersicht, welche Anteile vom bewilligten
Stundenkontingent für die Rezidivprophylaxe umgewandelt
werden können, ist in der Tabelle dargestellt.
VI. Förderung der Gruppen-
psycho­therapie
Wie bei der Rezidivprophylaxe ist auch der gesetzliche Auf-
trag aus dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz zur Förde-
rung von Gruppentherapie nur unzureichend umgesetzt wor-
den. So wurde zwar eine Flexibilisierung der Gruppengröße
in den psychoanalytisch begründeten Verfahren auf drei bis
neun Patienten und der Wegfall der Berichtspflicht in der
Kurzzeittherapie beschlossen. Die Erhöhung der Mindest-
gruppengröße für die kleine VT-Gruppe auf mindestens drei
Gruppenmitglieder und die Unterteilung der Kurzzeittherapie
in zwei antragspflichtige Abschnitte wirken jedoch diesen
Erleichterungen entgegen. Letzteres stellt gerade bei der
Durchführung von Gruppentherapie einen erheblichen büro-
kratischen Aufwand dar, zumal im Zusammenhang mit der
Genehmigungsfiktion stets beachtet werden muss, ob die
gesetzlichen Fristen bereits verstrichen sind und die Anträ-
ge bei den Krankenkassen nachweisbar angekommen sind.
Erfahrungen aus Selektivverträgen, bei denen auf das Gut-
achterverfahren für die Gruppenpsychotherapie verzichtet
wurde, zeigen, dass durch solche Maßnahmen der Anteil
gruppenpsychotherapeutischer Leistungen ganz erheblich
gesteigert werden kann (Schütz, 2013). Die BPtK hatte
daher im Stellungnahmeverfahren gefordert, für die Grup-
pentherapie zumindest beim ersten Bewilligungsschritt der
Langzeittherapie auf das Gutachterverfahren zu verzichten.
Stattdessen setzt der Beschluss des G-BA auf die Kraft
der Richtlinienlyrik. Durch die stärker gleichberechtigte Be-
schreibung der Anwendungsform der Gruppenpsychothe-
rapie im Text der Psychotherapie-Richtlinie soll ein Impuls
für ein stärkeres Angebot von Gruppentherapien gesetzt
werden. Ob dies einer Evidenzprüfung Stand hält, erscheint
äußerst fraglich.
VII. Standarddokumentation
Schließlich hat der G-BA eine Standarddokumentation für
die ambulante Psychotherapie eingeführt. Der Auftrag an
die Partner des Bundesmantelvertrags, ein Verfahren zur
Dokumentation psychotherapeutischer Leistungen und zur
Evaluation der Prozess- und Ergebnisqualität zu vereinba-
ren, fand sich bereits in der PTR in der Fassung vom 11.
Dezember 1998. Umso erstaunlicher mutet es an, dass nach
einem Vorlauf von mehr als 17 Jahren der G-BA Dokumenta-
tionsbögen beschlossen hat, ohne sie in ein systematisches
Konzept zur sektorspezifischen Qualitätssicherung einzu-
betten, ohne darzulegen, welche Informationen zu welchen
Zwecken erhoben werden sollen und ohne dass auch nur
rudimentär die Evidenz für den Nutzen der künftig obliga-
torisch einzusetzenden diagnostischen Verfahren, auch im
Vergleich zu anderen Methoden, dargelegt wird. Dabei hat
der G-BA die Qualitätssicherungskonzepte ignoriert, die er
selbst 2014 bei der Institution nach § 137a SGB V in Auftrag
gegeben hat.
Künftig müssen zu Beginn und am Ende einer Richtlinien-
psychotherapie von Patient und Psychotherapeut gemein-
sam Dokumentationsbögen ausgefüllt werden. Im Falle
Langzeittherapie
mit ≤ 60 Stunden
Langzeittherapie
mit > 60 Stunden
Erwachsene
max. 8 Stunden
max. 16 Stunden
Kinder und Jugendliche
max. 10 Stunden max. 20 Stunden
Tabelle: Umwandlungskontingente für die Rezidivprophylaxe
3/2016 Psychotherapeuten
journal
239
T. Harfst & A. von Wolff
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