PTJ_2016-3 - page 18

F)
Gibt es
Zusammenhänge
zwischen soziobiografischen
Daten bzw. therapeutischer Orientierung der Psychothe-
rapeuten einerseits und der Nutzung der IKT andererseits?
Ziel der Untersuchung war es also
nicht
, in differenzierter
Weise zu erfassen, ob und welche inhaltlichen Aspekte der
Nutzung der IKT – z. B. der Umgang mit Computerspielen
oder die Art der Selbstdarstellung in den Netzwerken – zum
Gegenstand in psychotherapeutischen Prozessen werden
und wie damit umgegangen wird.
Untersuchungsdesign
Um einen breiteren Überblick über die Formen der Kon-
taktgestaltung zu erlangen, wurde ein quantitatives Unter-
suchungsdesign gewählt. Es wurde – orientiert an den For-
schungsfragen und den wenigen Hinweisen aus Studien
in der Erwachsenenpsychotherapie – ein Fragebogen mit
zunächst 18 Items (14 geschlossene, vier offene Fragen)
entwickelt. Dieser Fragebogen wurde in einem Pretest mit
elf erfahrenen Psychotherapeuten unterschiedlicher the-
oretischer Orientierung erprobt und nach deren Rückmel-
dungen überarbeitet. So entstand die Endfassung mit ins-
gesamt 20 Items (17 geschlossene Fragen, von denen drei
die Möglichkeit zu weiteren inhaltlichen Angaben boten;
drei offene Fragen), einer Möglichkeit, weitere Anmerkun-
gen zu formulieren und Fragen zur Erfassung der wesent-
lichen soziobiografischen Daten (Alter, Berufserfahrung,
Umfang der Tätigkeit mit Jugendlichen, therapeutische
Grundorientierung(en)).
Die Fragebögen wurden über die „großen“ Berufsverbän-
de im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
2
verteilt. Dazu wurden die Vorstände angeschrieben und ge-
beten, die Informationen zum Fragebogen an die jeweiligen
Mitglieder weiterzugeben. Es wurden auch drei regionale
Psychotherapeutenkammern angeschrieben mit der Bitte zur
Weitergabe der Fragebögen – nach klaren Absagen (als Grün-
de wurden Arbeitsbelastung und Datenschutz angegeben)
wurden hier keine weiteren Versuche unternommen.
Es gab die Möglichkeit, die Fragebögen in Papierform aus-
zufüllen (schriftliches Anfordern beim Forschungsinstitut
[Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evange-
lischen Hochschule Freiburg, ZfKJ] oder Herunterladen von
der ZfKJ-Homepage) und ausgefüllt an das ZfKJ per Post zu
senden, einen ausgefüllten Fragebogen per E-Mail an das
ZfKJ zu schicken oder den Bogen in einer Onlineversion zu
bearbeiten. Die (potenziellen) Teilnehmer hatten drei Monate
Zeit, den Fragebogen zu beantworten; dann wurde das On-
lineportal geschlossen.
Die geschlossenen Fragen wurden deskriptiv mit dem Statis-
tikprogramm SPSS 19.0, die offenen Fragen wurden inhalts-
analytisch nach der Methode von Mayring (2010) ausgewer-
tet.
Die
Stichprobe
bestand aus 170 KJP, die den Fragebogen
verwertbar ausfüllten. Von diesen 170 Fragebögen wurden
106 (62,3%) online ausgefüllt, 54 (31,8%) als Papierversion
bearbeitet und weitere 10 (5,9%) wurden als E-Mail-Anhang
geschickt. In der Onlineversion hatten weitere 43 Perso-
nen den Fragebogen angefangen auszufüllen, jedoch nach
ein oder zwei Seiten abgebrochen; dies sind 20,2% der Ur-
sprungsstichprobe von n = 213.
Das durchschnittliche Alter der Antwortenden (im Folgenden:
Teilnehmende, TN, der Untersuchung) betrug 50,63 Jahre
(n = 170 Befragte). Dabei war der/die jüngste TN (Minimum)
29 Jahre alt und der/die älteste (Maximum) 74 Jahre. 70,4%
der TN waren weiblich, 39,6% männlich.
Die durchschnittliche Berufserfahrung der Befragten betrug
16,45 Jahre. Die minimale Berufserfahrung eines TN wies ein
Jahr auf und die maximale 40 Jahre.
Die durchschnittliche Stundenanzahl an wöchentlichen Psy-
chotherapien mit Jugendlichen betrug 15,73 Stunden pro Wo-
che (Spanne: eine bis 40 Stunden).
Die Frage nach der Psychotherapierichtung ergab folgendes
Bild (Mehrfachantworten waren möglich, da eine Reihe von
Psychotherapeuten ja mehrere Therapieausbildungen absol-
viert hat oder auch mehrere Verfahren anwendet, 62% der
Befragten gaben mehr als eine Psychotherapierichtung an):
„
„
Psychoanalyse
41,8% (71 Antworten von 170)
„
„
Tiefenpsychologisch
65,3% (111 Antworten)
fundierte Therapie
„
„
Verhaltenstherapie
42,7% (42 Antworten)
„
„
Personenzentrierte Therapie
8,2% (14 Antworten)
„
„
Systemische Therapie
12,9% (22 Antworten)
„
„
Anderes (z. B. Gestalttherapie,
10,6% (18 Antworten)
Traumatherapie)
Die TN gaben weiterhin an, privat folgende Kommunikations-
kanäle bevorzugt zu nutzen:
„
„
E-Mail:
29,7%
„
„
Telefon:
3
40,6%
2 Berufsverband der Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen (bkj), Ki-
Ju-Therapiegruppe der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT),
Vereinigung der analytischen Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen
(VaKJP), Verband der deutschsprachigen Personzentrierten Kinder- und Jugend-
lichenpsychotherapeutInnen. Für die vierte zentrale Psychotherapierichtung,
die Systemische Therapie, konnte kein entsprechender Verband recherchiert
werden. Die Angeschriebenen machten Zusagen, die Fragebögen weiterzuge­
ben, dies konnte z. T. durch entsprechende Rundschreiben rückverfolgt wer­
den. Da keine Zahlen zu den Mitgliedern der Verbände vorlagen, konnte die
potenzielle Grundgesamtheit auch nicht präzise bestimmt werden; diese dürfte
geschätzt bei 1.500 liegen.
3 Bei dieser Frage wurde nicht zwischen der Festnetz- und Mobiltelefonnut-
zung differenziert.
244
Psychotherapeuten
journal
3/2016
Die Bedeutung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie
für die Gestaltung des
Patientenkontakts
1...,8,9,10,11,12,13,14,15,16,17 19,20,21,22,23,24,25,26,27,28,...106
Powered by FlippingBook