PTJ_2016-3 - page 20

Die Psychotherapeuten antworten – zumeist mittels des glei-
chen Mediums – „am selben Tag“ (53,6%) oder „innerhalb
der nächsten 2-3 Tage“ (35,1%). Nur 11,3% der Befragten
beantworten die Themen dann ausschließlich „in der nächs-
ten Therapiestunde“. Die Antwortzeit wird vor allem von der
Dringlichkeit des Problems (40,2% der Antworten) bzw. der
eigenen verfügbaren Zeit (47,1%), weniger vom Patienten
(10,8%) beeinflusst.
C) Veränderungen des Kontaktverhaltens
und der Kontaktintensität bei Nutzung der
IKT
Durch die Nutzung der IKT werden von 88,2% der Befragten
(n = 150) Veränderungen im
Kontaktverhalten
erlebt, lediglich
11,8% (n = 20) beantworteten die entsprechende Frage mit
Nein.
Folgenden Veränderungsformen wurde zugestimmt (prozen-
tualer Anteil der Zustimmungen in der Gruppe derjenigen,
die angeben, allgemein Veränderungen zu erleben [n = 150];
Mehrfachnennungen möglich):
„
„
schnellere Kommunikation
58,2%
„
„
Kommunikation ohne Eltern ist erleichtert
38,2%
„
„
Hemmschwelle zur Kommunikation verringert
31,8%
„
„
Gefühl dauerhafter Verfügbarkeit
28,2%
„
„
erschwerte Abgrenzung zum Patienten
22,4%
„
„
intensivere Kommunikation
9,4%
„
„
Sonstiges
9,8%
Die befragten Psychotherapeuten nehmen zudem tendenziell
eine quantitative Zunahme der
Kontaktintensität
wahr, wie in
der Abbildung dargestellt:
Abbildung: Veränderungen der quantitativen Kontaktintensität im
Zusammenhang mit der IKT.
Die TN wurden zudem gefragt, ob es
bestimmte Patien-
tentypen („Störungsbilder“)/Alterstypen
gibt, die in be-
stimmter Weise kommunizieren. Diese Frage wurde von
82,4% aller TN beantwortet. Von diesen 140 TN antwor-
teten 74 mit Nein (52,9%; valide Prozent) und 66 mit Ja
(47,1%).
Bei der Antwortalternative „Ja“ wurde weitergehend gefragt,
welche besonderen Alters- bzw. Patiententypen in bestimm-
ter Weise kommunizieren. Zusammengefasst zeigten sich
folgende Tendenzen:
„
„
Alter:
Je älter die Patienten werden, desto öfter werden
die neuen Medien genutzt.
„
„
Geschlecht:
Das Geschlecht spielt in der Regel bei der
Nutzung im Zusammenhang mit Jugendlichenpsychothe-
rapie keine besondere Bedeutung.
„
„
Störungsbild:
Fast die Hälfte der Antwortenden gab an,
dass Patienten mit „Frühen Störungen“, „Strukturstörun-
gen“ oder „Grenzstörungen“ – unter diesen Kategorien
wurden auch Bindungsstörungen, Borderline-Störungen,
dissoziative Störungen sowie emotionale instabile Persön-
lichkeitsstörungen genannt – in besonderer Weise mit und
über die elektronischen Medien kommunizieren würden.
Es würde stark getestet, ob das Kontaktangebot wirklich
stimme, ob man sich auf den Psychotherapeuten verlas-
sen könne. In einigen Äußerungen wurde betont, dass die
neuen Medien „mehr Agierfeld“ bieten würden:
„Ich ge-
he davon aus, dass neue Medien mehr Agierfeld bieten.
Jugendliche und strukturschwache Patienten könnten sich
verstärkt angesprochen fühlen“.
D) Erleben der Möglichkeiten der
Kontaktgestaltung mit den neuen
Kommuni­kationsmedien
Generell
erleben 20,5% der Antwortenden (n = 151) die Mög-
lichkeiten der erweiterten Kontaktgestaltung als „sehr hilfreich“,
45,7% sehen sie als „hilfreich“ an – 17,2% beschrieben „kei-
nen Unterschied“. Demgegenüber empfinden 15,9% die neuen
Formen als „erschwerend“ oder „sehr erschwerend“ (0,7%);
auf der fünfstufigen Skala (sehr hilfreich = 1; sehr erschwerend
= 5) entspricht dies einem Mittelwert von 2.01 (SD = 0.993).
Bei der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Nut-
zung der einzelnen Medien zur Kontaktgestaltung außerhalb der
regelmäßigen Psychotherapiesitzungen und dem Erleben der
Kontaktgestaltung fällt auf, dass eine hohe signifikante Korrela-
tion zwischen positivem Erleben der Kontaktgestaltung und der
Nutzung des Mediums Telefon besteht (r = .586; p > 0.05).
Die
Möglichkeiten der Terminvereinbarung
mittels der neuen
IKT werden von 21,5% der Befragten als „deutlich erleichtert“
bzw. von 43,6% „erleichtert“ erlebt. Eine deutliche Minder-
heit sieht dies „erschwert“ (13,4%) bzw. „sehr erschwert“
(0,7%); 20,8% erleben „keinen Unterschied“. Auf der fünfstu-
figen Skala (deutlich erleichtert = 1; deutlich erschwert = 5)
ergibt sich ein Mittelwert von 2.28 (SD = 0.973).
Zusammenfassend wird aufgrund der quantitativen Daten
deutlich, dass eine große Mehrheit der Befragten, nahezu
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Psychotherapeuten
journal
3/2016
Die Bedeutung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie
für die Gestaltung des
Patientenkontakts
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