PTJ_2016-3 - page 21

zwei Drittel, die neuen Medien als „hilfreich“ oder „erleich-
ternd“ bei der Kontaktgestaltung ansehen.
Die
Termineinhaltung
wird von 2,6% der TN als „deutlich
schlechter“ bzw. „schlechter“ (17,2%) erlebt. Während
53,6% „keinen Unterschied“ wahrnehmen, äußerten 22,5%,
die Termineinhaltung sei „zuverlässiger“ bzw. „viel zuverläs-
siger“ (4%). Auf der fünfstufigen Skala („deutlich schlechter“
= 1; „viel zuverlässiger“ = 5) ergibt sich ein Mittelwert von
3.08 (SD = 0.813).
Auf die anschließende offene Frage,
warum die erweiterten
Möglichkeiten der Kontaktgestaltung die Terminvereinbarung
erschweren oder erleichtern,
antworteten 59 TN der Studie,
dies sind 34,7% der Gesamtgruppe. Es kam zu einer Reihe
von Mehrfachnennungen; insgesamt ließen sich fünf Katego-
rien differenzieren:
(1)
Eine
generell positive Einschätzung
der erweiterten Mög-
lichkeiten der Kontaktgestaltung gab die große Mehrheit
derjenigen ab, die die offenen Fragen bearbeiteten: Es
wurde eine Reihe von Vorteilen beschrieben – so wurde
betont, man sei „jederzeit und kurzfristig erreichbar“, „die
eigene Flexibilität ist gestiegen“, „Absprachen sind mög-
lich auch wenn man nicht direkt erreichbar ist“.
(2)
Veränderung der eigenen Arbeitsweise
:
„E-Mails werden
tendenziell etwas eher beantwortet, da ich die auch zwi-
schen Therapiepausen oder beim Warten auf (verspätete)
Patienten schnell beantworten kann. Rückrufe am Tel. sind
zeitaufwändiger und werden eher in Phasen geschoben,
in denen ich mehr als 10 min. Pause habe, um dann auch
mit den Pat. ggf. länger sprechen zu können“.
Dies bezieht
sich auch auf die wechselseitige Erreichbarkeit, so würden
„vergebliche Telefonate entfallen“.
(3)
Vorteile für die Patienten
: Die digitale Kommunikation über
verschiedene Kanäle sei
das
Medium der Jugendlichen,
diese fühlten sich dadurch auch „persönlich angespro-
chen“. Es sei zudem einfacher als per Telefon, schriftlich
den Kontakt zu gestalten, manche hätten Angst vor dem
Anrufbeantworter; das Schreiben von E-Mails, SMS oder
WhatsApp bedeutet eine niedrigere Hemmschwelle.
(4)
Probleme der Kommunikation
über die neuen Medien be-
schrieb eine Minderheit der Befragten: Es ergäbe sich ei-
ne „erhöhte Anzahl von Absprachen“, es käme zu einem
„oft unproduktiven Hin-und-her-Schreiben“ und die „viel
größere Anzahl an Kommunikationskanälen“ würde mehr
Aufwand bringen. Um damit umzugehen, brauche es ent-
weder klare Regeln oder Rahmenbedingungen.
(5)
Bedeutung des „klassischen“ Festnetztelefons:
Ein gerin-
ger Teil der Studienteilnehmer betonte die Bedeutung die-
ses Kontaktmediums; so berichteten fünf Befragte, dass
Anmeldungen nur telefonisch erfolgen sollten, und vier be-
schrieben, dass sie nur den Festnetzanschluss der Praxis
nutzen, „Terminabsprachen laufen nur telefonisch“.
E) Erlebte Auswirkungen auf die
persönliche Zeit(gestaltung) der
Psychotherapeuten
Die Zunahme der Kontaktintensität durch die erweiterten
Möglichkeiten der IKT und die von einem Teil der Psycho-
therapeuten geschilderte „erschwerte Abgrenzung“ sowie
das Sinken der „Hemmschwelle zur Kommunikation“ haben
Auswirkungen auf die persönliche Zeit(gestaltung) der Psy-
chotherapeuten. Von den 150 TN der Studie (88,2% der Ge-
samtstichprobe), die die entsprechende Frage bearbeiteten,
antworteten 74 mit Nein (49,3%) – sie würden keine Auswir-
kungen erleben – und 76 mit Ja (50,7%).
Diejenigen, die mit Ja geantwortet hatten, wurden gebeten,
mögliche Auswirkungen zu beschreiben. Hierzu gab es insge-
samt 97 Äußerungen: 18 Befragte beschrieben eine
Erleichte-
rung
, so sei die Zeitnutzung effektiver („keine langen Telefo-
nate“, „weniger Ausfallzeiten“) und mehr Flexibilität gegeben
(„ich kann SMS und WhatsApp von überall senden“, es gäbe
„weniger Stress durch Rückrufe“). Dies wird als positive Auswir-
kung erlebt und korrespondiert mit dem statistisch signifikanten
Zusammenhang, in dem das „klassische“ (Festnetz)Telefon als
„nicht schnelle“ Kommunikationsmöglichkeit beschrieben wird
(Korrelation zwischen Festnetztelefonnutzung und bewerteter
„Schnelligkeit“ der Kommunikation: r = -.406; p < .001).
Insgesamt 16 Befragte sahen
gleichermaßen Vor- und Nach-
teile
durch die Kommunikation über die neuen Medien. So
gäbe es eine „geringe Mehrbeanspruchung“, die aber „in
Ordnung“ sei, „man könne bei Krisen schneller in Kontakt
kommen“, auch wenn dies zeitweilig belastend wäre.
Insgesamt 46 Äußerungen der Befragten hatten
negative
Aspekte
zum Gegenstand, davon beschrieben drei Viertel,
dass die Verfügbarkeit erhöht sei: So würde man „zu Zeiten
kommunizieren, zu denen man nicht telefonieren würde“,
dies sei „außerhalb der normalen Arbeitszeit“, es käme zu
„Unterbrechungen im Privaten“, „man ist mehr oder weniger
gezwungen, immer mal aufs Handy zu schauen“. Zugleich
wird erlebt, dass eine „schnelle Antwort erwartet“ wird; die
Ansprüche der Patienten würden steigen. Einige Befragte äu-
ßerten, dass es aufwendig sei, alle Medien („viel mehr Kom-
munikationskanäle“) zu bedienen, dies würde mehr Zeit kos-
ten. Ebenso wurde beschrieben, dass die „Abgrenzung mehr
Mühe kostet“. Das sei in Krisen akzeptabel, aber insgesamt
sei damit ein bewusstes Umgehen nötig.
Die Befragten wurden weitergehend gebeten, die erlebten
Auswirkungen
zu
bewerten.
Dies taten 63 TN (das sind 37%
der Befragten insgesamt bzw. 82,9% derjenigen, die die Fra-
ge nach den Auswirkungen mit Ja beantwortet hatten). Auch
dabei zeigten sich drei unterscheidbare Antwortrichtungen:
(1)
Die Auswirkungen wurden
positiv bewertet:
Die Vortei-
le würden überwiegen – „dies kommt den Jugendlichen
entgegen“, es sei „entlastend wegen der Zeitersparnis“.
3/2016 Psychotherapeuten
journal
247
M. Fröhlich-Gildhoff & K. Fröhlich-Gildhoff
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