PTJ_2016-3 - page 23

Die deutlich gestiegene Nutzung der IKT hat berufsrechtliche
Implikationen, die im Rahmen der hier referierten Studie nicht
untersucht wurden, allerdings von Bedeutung sind: Die Kom-
munikation über E-Mail, SMS und besonders WhatsApp so-
wie Facebook ist unter dem Gesichtspunkt des Datenschut-
zes bedenklich und muss in Aus- wie Weiterbildungen (und
im Fachdiskurs!) sorgfältig reflektiert werden. Ebenso betrifft
die Nutzung der IKT auch vertragliche Fragen wie etwa: Ist
die Absage eines Termins per SMS ausreichend? (Wie) sind
die häufigeren „Zwischenkontakte“ – z. B. per E-Mail – abre-
chenbar?
Die vorliegende Untersuchung vermittelt einen ersten Ein-
blick in die Kontaktgestaltung per IKT in der Kinder- und Ju-
gendlichenpsychotherapie. Sie ist allerdings in dreifacher
Weise limitiert:
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Die Zahl der Befragten ist relativ gering – auch wenn ein
breiteres Spektrum von Psychotherapeuten beteiligt war.
Die meisten Studienteilnehmer haben den Onlinefrage-
bogen beantwortet – hier kann eine Verzerrung durch die
„Online-Affinität“ der Antwortenden erfolgt sein.
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Es wurde nur die Sicht der Psychotherapeuten erhoben –
interessant wäre eine „Spiegelung“ durch die Erfahrungen
der Jugendlichen.
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Es wurden nur quantitative Daten erhoben, die zwar einen
breiten Überblick ermöglichen, aber eben keine tieferen
Analysen des Erlebens der Psychotherapeuten. Erste inte-
ressante Hinweise hierzu lieferten die offenen Fragen, die
qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet wurden.
Vor diesem Hintergrund können Folgestudien sinnvoll sein,
die mit qualitativen Methoden auch das Erleben – und die
Wünsche – der jugendlichen Patienten erfassen; ebenso
könnte man die Nutzung der IKT im Verlauf des psychothera-
peutischen Prozesses – auch in seiner Wirkung auf das Bezie-
hungsgeschehen – tiefergehend analysieren.
Nicht zuletzt erscheint es angesichts der breiten Nutzung der
IKT nötig, diese in psychotherapeutischen Ausbildungszu-
sammenhängen regelhaft zu thematisieren und in Supervisi-
ons- wie Reflexionszusammenhänge deutlich einzubeziehen.
Literatur
Die Literaturangaben zu diesem Artikel finden Sie auf der Internetseite der
Zeitschrift unter
Michel Fröhlich-Gildhoff
Michel Fröhlich-Gildhoff, B. Sc. in Sport- und Gesundheits-
wissenschaften an der Universität Bremen und B. Sc. in
Psychologie an der FU Berlin, ist aktuell neben seinem Mas-
terstudium der Psychologie an der Universität Innsbruck als
Pädagoge in der Kinder- und Jugendpsychiatrie „Klinik Haus
Vogt“ in Titisee-Neustadt tätig.
Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff
Korrespondenzadresse:
Evangelische Hochschule Freiburg
Bugginger Str. 38
79114 Freiburg
Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff, Psychologischer Psychothe-
rapeut und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, ist seit
2002 hauptamtlicher Dozent für Klinische Psychologie und
Entwicklungspsychologie an der Evangelischen Hochschule
(EH) Freiburg und Co-Leiter des Zentrums für Kinder- und Ju-
gendforschung an der EH Freiburg. Seine Forschungsschwer-
punkte liegen im Bereich Jugendhilfe, Pädagogik der Frühen
Kindheit, Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen.
3/2016 Psychotherapeuten
journal
249
M. Fröhlich-Gildhoff & K. Fröhlich-Gildhoff
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