PTJ_2016-3 - page 3

Liebe Kolleginnen
und Kollegen,
Editorial
vor Ihnen liegt eine Ausgabe des Psy-
chotherapeutenjournals, in der wir uns
schwerpunktmäßig berufs- und gesell-
schaftspolitischen Themen stellen. Wir
hoffen, dass wir Ihr Interesse wecken
können, in dieses Heft zu blicken.
Gespannt haben wohl alle niedergelas-
senen Kolleginnen und Kollegen auf die
neue Psychotherapie-Richtlinie gewar-
tet. Die meisten von Ihnen haben sich
sicherlich schon ein Bild gemacht, wel-
che Veränderungen diese für die eigene
Praxis bringen wird. Timo Harfst und
Alessa von Wolff von der Bundespsy-
chotherapeutenkammer erläutern in die-
sem Heft den aktuellen Stand. Vieles,
aber nicht alles wird jetzt von der An-
passung der Honorare im Bewertungs-
ausschuss abhängen. Unabhängig von
der Honorierung der neu hinzugekom-
menen psychotherapeutischen Leistun-
gen sollten wir Praktikerinnen und Prak-
tiker aber auch überlegen, wie diese
Leistungen (z. B. Sprechstunde, Akut-
psychotherapie) inhaltlich ausgestaltet
werden können und welche ethischen
Fragestellungen aufgeworfen werden.
Nicht zuletzt lebt unser Beruf von der
Gestaltung von Beziehungen. Und ein
wenig Bauchschmerzen verursacht es
mir schon, wenn ich mir das Szenario
vorstelle, einem Patienten, dem ich
nach mehreren Kontakten mit ausführ-
licher Befunderhebung attestiere, dass
er dringend psychotherapeutischer Be-
handlung bedarf, gleichzeitig mitteilen
zu müssen, dass bei mir leider kein
Psychotherapieplatz frei sei und er sich
diesbezüglich an die Terminservicestel-
le wenden müsse. Ist das wirklich eine
Verbesserung der Versorgungsstruktur
oder nicht vielleicht ein weiterer Mei-
lenstein auf dem Leidensweg von Men-
schen mit psychischen Erkrankungen?
Letztendlich wird nur eine Erhöhung
der Zahl der Psychotherapieplätze eine
wirkliche Verbesserung bringen.
Zu den weiteren Inhalten in diesem
Heft: Der Beitrag von Michel und Klaus
Fröhlich-Gildhoff beschäftigt sich mit
einem zukunftsweisenden Thema: der
Veränderung von therapeutischen Kom-
munikationswegen durch die neuen
elektronischen Medien. Die empirische
Untersuchung birgt überraschende Er-
gebnisse und zeigt auf, mit welchen be-
rufsrechtlichen Fragen wir uns in naher
Zukunft auseinandersetzen sollten.
Mit einer weiteren gesellschaftlich aktu-
ellen Frage, nämlich ob und wann Trau-
er eine psychische Erkrankung darstellt,
beschäftigt sich der Beitrag von Birgit
Wagner (in populärwissenschaftlichen
Zeitschriften wird dieser Punkt bereits
aufgegriffen und führt zur Kritik an un-
serer Zunft, Geo 7/2016, S. 59).
Mit Spannung darf man auch der Novel-
lierung des Psychotherapeutengeset-
zes und der Neustrukturierung der Aus-
bildung entgegensehen. Das PTJ greift
die Thematik in dieser Ausgabe mit zwei
Beiträgen auf: Marie Drüge und Sandra
Schladitz diskutieren den Änderungsbe-
darf aus Sicht der Ausbildungsteilneh-
merinnen und -teilnehmer, der sich vor
allem (aber nicht ausschließlich) auf die
Rahmenbedingungen der Praktischen
Tätigkeit richtet. Eine Arbeitsgruppe
zur Weiterbildung der Bundesarbeitsge-
meinschaft der Ausbildungsträgerver-
bände (BAG) setzt sich für den Erhalt
bewährter Ausbildungsstrukturen ein.
Mit beiden Beiträgen hoffen wir, die
Diskussion zu befruchten.
Die beiden Beiträge in der Rubrik Recht:
aktuell veranschaulichen, dass mit der
Etablierung und Weiterentwicklung un-
seres Berufsstandes auch immer (viel-
leicht zunehmend) juristische Fragestel-
lungen verknüpft sind.
Einen Appell von Lea Dohm möchten
wir Ihnen nicht vorenthalten: Ihr Diskus-
sionsbeitrag fordert dazu auf, sich in der
gegenwärtigen politischen Situation ge-
sellschaftspolitisch zu engagieren.
Erstmals veröffentlichen wir in der Rub-
rik Rezensionen eine Filmbesprechung
(„Wie die anderen”, ein Dokumentar-
film über ein österreichisches Klinikum
für Kinder- und Jugendpsychiatrie). Wir
sind auf Ihre Reaktionen zu diesem No-
vum gespannt.
Zuletzt in eigener Sache: Gelegentlich
kommt es zu Umbesetzungen unseres
Redaktionsbeirates. Auf unserer vor-
letzten Sitzung haben wir uns von Ulrich
Wirth verabschieden müssen, der über
viele Jahre Form und Inhalt des Psycho-
therapeutenjournals entscheidend mit-
geprägt hat. Auf unserer letzten Sitzung
durften wir Torsten Michels begrüßen,
der zukünftig die Psychotherapeuten-
kammer Hamburg vertreten wird. Wir
freuen uns auf eine fruchtbare und er-
folgreiche Zusammenarbeit.
Andrea Dinger-Broda
(Rheinland-Pfalz)
Mitglied des Redaktionsbeirates
3/2016
Psychotherapeuten
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