PTJ_2016-3 - page 34

Abbildung: Häufigkeiten der Nennung der übergeordneten
Kategorien
Einstellung zur Einführung eines
Direktstudiums
Von den
N
= 707 Probanden, die die Frage beantworteten,
waren 56,2% gegen und 43,8% für die Einführung eines Di-
rektstudiums. Explorative Analysen deuteten teilweise auf
Zusammenhänge der Entscheidung zu Merkmalen der Perso-
nen bzw. der Ausbildung hin. Es bestand beispielsweise ein
signifikanter Zusammenhang zum Alter (
r
= -0,10;
p
< 0,01),
was bedeutet, dass ältere Ausbildungsteilnehmer sich eher
gegen die Einführung aussprachen. Was die Verfahren an-
geht, zeigte sich ein ebenfalls signifikanter Zusammenhang
(
χ
2
(2) = 11,18,
p
< 0,01): In der Gruppe der PiA in verhaltens-
therapeutischer Ausbildung war die Entscheidung wesentlich
knapper (293 dagegen und 259 dafür) als in den Gruppen der
psychoanalytischen/tiefenpsychologischen PiA (73 dagegen
und 33 dafür) und der verbleibenden Personen (17 dagegen
und 7 dafür). Es bestanden keine Zusammenhänge zu den
Variablen Geschlecht und Spezialisierung.
Die qualitativen Daten zur Begründung der Entscheidung wer-
den im Folgenden nach Argumenten, die eher dagegen, und
Argumenten, die eher dafür sprechen, aufgeführt. Aufgrund
der großen Datenmenge werden nur Kategorien berichtet, in
denen mehr als 30 Nennungen vorlagen.
Die am häufigsten genannten Argumente gegen die Einfüh-
rung eines Direktstudiums beziehen sich auf die Problematik
von Theorie und Praxis in der psychotherapeutischen Praxis.
Viele Befragte befürchten, dass im Rahmen einer universitä-
ren Ausbildung
zu wenig praktische Erfahrungen
gesammelt
werden könnten (79 Nennungen), da die
Praxis für diese Aus-
bildung als sehr wichtig
angesehen wird (37 Nennungen). Von
einem Studium erwarten einige eine
zu starke Theorie- bzw.
Forschungsorientierung
(43 Nennungen).
Der zweite größere Bereich in den Argumenten gegen ein
Direktstudium bezieht sich auf das noch junge Alter der ange-
henden Psychotherapeuten. Hier wird vor allem angezweifelt,
dass die Ausbildungsteilnehmer die
nötige persönliche Reife
bzw. Lebenserfahrung
besitzen, um therapeutisch zu arbeiten
(68 Nennungen). Ebenso wurden Bedenken bezüglich des
Alters allgemein geäußert, da die fertig ausgebildeten Psy-
chotherapeuten dann
unangemessen jung
in den Beruf ein-
steigen würden (39 Nennungen). In diesem Kontext wurde
auch erwähnt, dass die
Entscheidung für den Beruf des Psy-
chotherapeuten zu früh
im Leben getroffen werden müsste
(34 Nennungen).
Viele der Befragten äußern generell die Sorge, dass sich die
Ausbildung in einem Direktstudium
qualitativ verschlechtern
würde, verglichen mit der aktuellen Situation an den Instituten
(59 Nennungen). Die Verkürzung der Ausbildungszeit wird
teilweise negativ bewertet, da sie als
nicht ausreichend für
die Komplexität des Feldes
angesehen wird (37 Nennungen).
In diesem Zusammenhang merken auch viele der Befragten
an, dass sie die
Inhalte aus dem allgemeinen Psychologiestu-
dium als wertvoll
und bereichernd und einen Wegfall dieser
Inhalte als nachteilig empfänden (78 Nennungen).
Die letzte größere Kategorie der Argumente gegen ein Di-
rektstudium umfasst die Sorge, dass die
Vielfalt in der Zu-
lassung zum Studium geringer
werden würde. Durch die er-
wartet hohe Zahl an Interessenten würden eventuell nur noch
Abiturienten mit weit überdurchschnittlichen Noten zugelas-
sen werden und den bisher zur Kinder- und Jugendlichen-
psychotherapie zugelassenen Pädagogen würde der Zugang
verwehrt bleiben (30 Nennungen).
Ein Großteil der genannten Argumente für die Einführung ei-
nes Direktstudiums bezieht sich auf die Rahmenbedingungen
der Ausbildung. Vor allem werden eine potentielle
Senkung
der Kosten
(76 Nennungen) sowie eine
kürzere und verein-
fachte Ausbildung
(72 Nennungen) genannt. Bezogen auf fi-
nanzielle Aspekte wird ebenfalls erwartet, dass die
Vergütung
sowohl während als auch nach der Ausbildung besser wird
(47 Nennungen), da ein
klarer Status und staatliche Anerken-
nung
gewährleistet ist (30 Nennungen). Die Einführung eines
Direktstudiums wird von einigen als eine vorteilhafte
Anglei-
chung an die medizinische Ausbildung
angesehen (38 Nen-
nungen). Schließt sich direkt an das Studium die Approbation
an, wird dadurch eine
Verbesserung der beruflichen Situation
nach Ausbildungsende
erwartet (47 Nennungen).
Bezüglich der Inhalte wird häufiger genannt, dass durch den
Wegfall anderer Themenbereiche aus der Psychologie eine
gezieltere Vorbereitung auf das therapeutische Arbeiten
mög-
lich ist (51 Nennungen).
Diskussion
Im Folgenden werden die Ergebnisse unter Berücksichtigung
der theoretischen und empirischen Grundlagen diskutiert.
Die Ergebnisse zum Änderungsbedarf der einzelnen Bereiche
der psychotherapeutischen Ausbildung spiegeln den derzeiti-
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Psychotherapeuten
journal
3/2016
Die psychotherapeutische Ausbildung aus Sicht der Ausbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer
1...,24,25,26,27,28,29,30,31,32,33 35,36,37,38,39,40,41,42,43,44,...106
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