PTJ_3_2018_Onlinefassung

Was ist dran am Klopfen? Eine Übersichtsarbeit Antonia Pfeiffer keine negativen Emotionen bzw. physiologische Symptome mehr hervorruft. Die einzelnen Techniken können als historische Weiterentwick- lungen der ersten Klopftechniken betrachtet werden. Beispiels- weise werden in der Methode Thought Field Therapy (TFT) je nach Störungsbild spezifische Klopfpunkte und eine spezifi- sche Reihenfolge verwendet. Dies liegt daran, dass sich TFT noch stark an der Akupunktur orientiert, in der auch spezifische Punkte verwendet werden. Die Emotional Freedom Technique (EFT) entwickelte ein standardisiertes, vereinfachtes Behand- lungsprotokoll. Die Prozess- und Embodiment fokussierte Psy- chotherapie (PEP) integriert Elemente aus der Hypnotherapie, der systemischen Therapie und dem NLP und distanziert sich von der Wirkhypothese über das körpereigene Meridiansys- tem, wodurch auch vermehrt Ärzte und Psychotherapeuten die Methode in ihre klinische Arbeit integrieren (Bohne, 2013) . Trotz dieser Entwicklung gibt es im deutschsprachigen Raum bis dato noch keine systematische Übersichtsarbeit, die die Wirksamkeit der Klopftechniken für verschiedene Krankheits- bilder umfassend untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es daher, einen Überblick über die RCT-Studien und Metaanalysen zu Klopftechniken zu geben. Am 04.01.2018 wurde eine zeitlich unlimitierte Suche in den Datenbanken Medline/PubMed, Cochrane Library und ScienceDirect durchgeführt. Als MeSH- Begriffe wurden folgende Begriffe verwendet: „Emotional Freedom Technique“, „Emotional Freedom Techniques“ so- wie „Thought Field Therapy“. Es wurden nur englischsprachi- Einleitung I n den letzten Jahren sind die sogenannten Klopftechni- ken als psychotherapeutische Zusatztechniken sowie als Selbsthilfemethode immer beliebter geworden. Es gibt weltweit mehr als 20 dieser Techniken, als bekannte Vertre- ter sind EFT (Emotional Freedom Technique), TFT (Thought Field Therapy), EDxTM (Energy Diagnostic and Treatment Methods) und in Deutschland PEP (Prozess- und Embodi- mentfokussierte Psychologie) zu nennen. Die ersten Tech- niken entstanden ab Mitte der 1980er Jahre unter dem Ein- fluss der verhaltenstherapeutischen Expositionstechnik der systematischen Desentisierung, der Applied Kinesiology (angewandten Kinesiologie), der Akupunktur und dem Neu- rolinguistischen Programmieren (NLP) ( Bohne, 2010, 2016 ). 2 Die Klopftechniken kombinieren Elemente von Exposition und kognitiver Umstrukturierung mit dem leichten Beklop- fen von Hautpunkten, die aus der klassischen Akupunktur übernommen wurden (Bohne, 2016) . Sie vereint ein stark strukturierter Aufbau: Durch gezieltes Ansprechen eines Themas wird dieses zunächst bis hin zu einer physiologi- schen Erregung aktiviert. Nun wird zu den evozierten Emo- tionen, Gedanken oder Glaubenssätzen eine Affirmation der Selbstakzeptanz formuliert, die beispielsweise wie folgt lauten könnte: „Auch wenn ich Problem X habe, achte und schätze ich mich so, wie ich bin“. Diese wird laut ausge- sprochen, während ein Punkt unterhalb des linken Schlüs- selbeins durch eine kreisende Bewegung stimuliert wird. Es folgt die erneute Konfrontation mit dem Thema, während die 14 bis 16 Hautpunkte geklopft werden. Abschließend erfolgt eine Sequenz aus Augenbewegungen, Summen und Zäh- len, während ein Punkt auf dem Handrücken geklopft wird. Dieses Protokoll wird in einer Sitzung meist mehrere Male wiederholt, bis der Gedanke an das Thema oder Ereignis 1 Zu der mit der Ausgabe 4/2017 eingeführten geschlechtersensiblen Schreib- weise im Psychotherapeutenjournal lesen Sie bitte den Hinweis auf der vorde- ren inneren Umschlagseite. Bei dieser Ausgabe handelt es sich um ein Heft in der männlichen Sprachform. 2 Die kursiv ausgezeichneten Quellen finden Sie abgedruckt am Ende des Artikels, das vollständige Literaturverzeichnis auf der Homepage der Zeitschrift unter www.psychotherapeutenjournal.de . 3/2018 Psychotherapeuten journal 235 Zusammenfassung: Die sogenannten Klopftechniken wie die Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie (PEP) oder die Emotional FreedomTechnique (EFT) haben auch in Deutschland längst Einzug in den klinischen Alltag gehalten. Vor allem Krankheitsbilder mit einem hohen körperlichen Arousal scheinen, will man den Anwendern 1 Glauben schen- ken, gut auf die Behandlung mit Klopftechniken anzusprechen. Aufgrund der esoterisch anmutenden Wirkhypothesen einiger Techniken stehen ihnen jedoch weiterhin viele klassisch ausgebildete Psychotherapeuten kritisch gegenüber. Doch was sagen die wissenschaftlichen Studien der letzten Jahre über die Wirksamkeit der Klopftechniken? Für welche Krankheitsbilder ist eine Anwendung zu empfehlen? Die vorliegende Übersichtsarbeit soll einen Einblick in die Studien- lage geben, die einzelnen Studien kritisch analysieren und ihre Ergebnisse mit Studien anderer Psychotherapieformen vergleichen. Auf dieser Grundlage sollen ferner wissenschaftlicheWirkhypothesen diskutiert werden.

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