PTJ_3_2018_Onlinefassung

(2016) replizieren. Die Symptome der PTBS wurden dabei in allen Church-Studien mit der PCL-M erfasst, einer Version der PTBS-Checkliste für das Militär, mit der die Symptome der PTBS gemäß der Definition des DSM-5 erfragt werden. In den numerischen Zahlen der PCL-M zeigten sich Rückgänge von 61 auf 37 (Church et al., 2013) , von 63 auf 37 (Church, Yount et al., 2016) und von 39 auf 27 (Church, Sparks et al., 2016) in den Studien mit Veteranen, die an Symptomen ei- ner subklinischen PTBS litten. In der PCL-M liegt der Cut-off- Wert für eine PTBS bei 50, ab 35 spricht man von einer Risi- kogruppe. Das DSM-IV spricht ab einem Rückgang von 5 bis 10 Punkten von einem Ergebnis, das nicht per Zufall entsteht, also dem Erfolg der Therapie attribuiert werden kann. Ab ei- nem Rückgang von 10 bis 20 Punkten wird von einer klinisch signifikanten Veränderung gesprochen. Der in den Studien Church et al. (2013) und Church, Sparks et al. (2016) beob- achtete Rückgang um bis zu 25 Punkte entsprach somit einer klinisch signifikanten Veränderung. Leider wurden die Studien Church, Sparks et al. (2016) und Church, Yount et al. (2016) mit einer sehr kleinen Stichprobe durchgeführt. Im Gegensatz zu den Studien zu Angststörungen sind die Unterschiede zwi- schen den Kontrollgruppen jedoch so groß, dass die Ergeb- nisse trotzdem gemeinsam als Hinweis für die Wirksamkeit für das Krankheitsbild der PTBS gewertet werden können, insbesondere in der kumulierten Betrachtung der Studie aus dem Jahr 2013 und der beiden Studien aus dem Jahr 2016. Es ist jedoch zu wünschen, dass in Zukunft größere Studien mit Kontrollgruppen, die ebenfalls eine psychotherapeutische Intervention erhalten, durchgeführt werden. Die Ergebnisse in der Behandlung der PTBS bestätigen sich auch in einer Metaanalyse von Sebastian und Nelms aus dem Jahr 2017 , in der eine gemeinsame Effektstärke für insge- samt sieben RCT errechnet wurde. Es wurde eine kumulierte Effektstärke von d = 2,96 (95 % CI 1,96 – 3,97; p > 0,001) errechnet, was einem sehr großen Behandlungseffekt ent- spricht (Nelms & Castel, 2016; Sebastian & Nelms, 2017 ). Zum Vergleich soll eine Metaanalyse zur Behandlung der PTBS von Watts et al. (2013) mit insgesamt 112 Studien ver- schiedener Therapieformen herangezogen werden. In dieser Studie wurden Effektstärken von g = 1,63 für KVT, g = 1,08 für Expositionstherapie und g = 1,01 für EMDR sowie Effektstär- ken für Pharmakotherapie von g = 0,74 für Paroxetin, g = 0,41 für Sertralin, g = 0,43 für Fluoxetin und g = 0,41 für Risperidon errechnet. Es zeigte sich außerdem ein Trend, dass Studien mit Veteranen geringere Effektstärken aufwiesen (Watts et al., 2013). Dieser Trend bestätigt sich auch in der Metaanalyse von Bradley, Greene, Russ, Dutra und Westen (2005) zu dem Effekt von KVT in der Behandlung der PTBS: Hier zeigten sich für Veteranen die niedrigsten Therapieerfolge für alle Grup- pen mit d = 0,81 für Veteranen, d = 1,24 für gemischte Trau- ma und d = 1,82 für sexuelles Trauma (Bradley et al., 2005). Auch die Forschung zu speziellen stationären Traumapro- grammen der 1980er und 1990er Jahre für Vietnamveteranen weist auf geringe Behandlungserfolge bei Veteranen hin: Die meist 90- bis 100-tägigen stationären Programme, in denen Expositionstraining, Gesprächstherapie etc. angeboten wur- den, zeigten in den Follow-ups nach vier bis zwölf Monaten keinerlei Veränderungen zum Stand vor dem Programm, teils sogar Verschlechterungen (Johnson, Fontana, Lubin, Corn & Rosenheck, 2004; Johnson et al., 1999; Johnson & Lubin, 1997). Einige der Autoren gehen so weit, dass sie die PTBS als chronische, nicht heilbare Krankheit einordnen (Johnson et al., 2004). Doch gerade für die Bevölkerungsgruppe der Veteranen wurden in den Studien von Church et al. sehr gute Behandlungsergebnisse erzielt, teilweise für Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Vietnamkrieg. Ein Grund für die besondere Wirksamkeit der Klopftechniken bei der PTBS könnte in der Veränderung der für die PTBS charakteristi- schen (psycho-)somatischen und physiologischen Symptome liegen. Denn neben den Verbesserungen in psychischen Symptomen der PTBS wie Angst und Depression, zeigte sich in allen drei Studien ein Rückgang somatischer Symptome. In der Studie aus dem Jahr 2013 reduzierten sich die chronischen Schmer- zen der Veteranen beispielsweise um 41 %, die Schlafstörung um 45 % (Church, 2014), die Symptome des traumatic brain injury (TBI) reduzierten sich in einer der Studien von 2016 um 50 %, die Schlafstörungen um 50 % (Church, Sparks et al., 2016). Die Studie Church, Yount et al. (2016) untersuchte neben den psychologischen Parametern außerdem die epigenetische Beeinflussung. Verschiedene Studien der letzten Jahre hat- ten gezeigt, dass die für immunologische Faktoren sowie die Kortisolregulierung verantwortlichen Gene in Patienten mit PTBS stärker exprimiert werden. Diese wurden vor Beginn der Studie wie auch nach den zehn EFT-Sitzungen verglichen. Die Studie liefert erste signifikante Hinweise, dass typische Gene im Vergleich zur Kontrollgruppe weniger stark aktiviert waren (Church, Yount et al., 2016). Behandlung von körperlichen Symptomen Die Beeinflussung der körperlichen Symptome und assoziier- ter physiologischer Parameter wurde in einigen Studien ge- sondert untersucht (vgl. Tabelle 3). In der Studie von Church, Yount und Brooks aus dem Jahr 2012 wurde der Effekt einer EFT-Sitzung auf das Kortisollevel gesunder Probanden mit einer Gruppe, die ein supportives In- terview erhielt und einer Wartekontrollgruppe verglichen. Die EFT-Gruppe erhielt eine Sitzung mit EFT zu einem kleineren traumatisch erinnerten Ereignis, eine zweite Gruppe erhielt ein supportives Interview (SI), eine weitere Gruppe saß im Wartezimmer und unterhielt sich/las Zeitschriften. Die Thera- peuten arbeiteten verblindet. Ihnen war nicht bewusst, dass unterschiedliche Therapieverfahren verglichen wurden. Das Kortisol im Speichel wurde direkt vor den Sitzungen sowie 30 Minuten danach analysiert. Die EFT-Gruppe erzielte die größ- ten Unterschiede in dem zusätzlich erhobenen Fragebogen 240 Psychotherapeuten journal 3/2018 Was ist dran am Klopfen?

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