PTJ_2019-3_online

SimoneWaldrich Korrespondenzanschrift: Offenburger Institut für Psychotherapie (OAP) Okenstr. 22 77652 Offenburg Simone.waldrich@gmail.com Simone Waldrich (Stex. Erziehungswissenschaft, Politik- wissenschaft und Germanistik) befindet sich in Ausbildung zu Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT) und ist Weiterbildungsassistentin am OAP in Offenburg. Sie arbeitet mit an einem Forschungsprojekt zum Thema „Experientielle Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen“ unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz-Joachim Feuerstein und Prof. h. c. Dr. h. c. Kurt Schley. Prof. h. c. Dr. h. c. (UIPA) Kurt Schley Prof. h. c. Dr. h. c. (UIPA) Kurt Schley ist Kinder- und Jugend- lichenpsychotherapeut (VT), Ausbilder für Focusing, Ge- sprächsführung Supervision (DFG) und seit 2013 Leiter der Offenburger Akademie für Psychotherapie (OAP). Seit vielen Jahren ist er als Supervisor, Lehrtherapeut und Dozent in der Ausbildung für angehende Kinder- und Jugendlichenpsycho- therapeuten mit einem Schwerpunkt in der experientiellen Verhaltenstherapie tätig, die er in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Heinz-Joachim Feuerstein, Psychologischer Psychothera- peut und Ausbildungsbeauftragter Koordinator für Focusing und Experientielle Therapie am International Focusing Institu- te (TIFI) New York, entwickelt hat. Die erlebensorientierte Exposition wurde dazu mit einem Ver- stärkerplan in Bezug auf das Alleineschlafen und das Alleinsein am Tag kombiniert, nachdem C. geäußert hatte, diese Angst nun endlich loswerden zu wollen. Der Verstärkerplan beinhal- tete neben materiellen und sozialen Verstärkern auch eine er- lebensbezogene Art der Selbstverstärkung. C. sollte sich dazu jedes Mal ein paar Sekunden Zeit nehmen, einer erfolgreichen Expositionsübung nachzuspüren, indem sie sich selbst lobte und die körperliche Resonanz dazu wahrzunehmen. In den Sit- zungen wurde der graduellen Exposition, die zu Hause statt- fand, mithilfe des Focusing dann nochmals nachgespürt, um die nächsten Übungsschritte anzubahnen. C. konnte so rasch und ohne sich gedrängt zu fühlen, zu den nächsthöheren Items auf der Angstskala fortschreiten. Gegen Ende der Psychothe- rapie schlief C. jede Nacht in ihrem Bett, auch hatte sie keine Alpträume mehr. Sie konnte tagsüber stundenweise alleine bleiben und sich selbst beruhigen, wenn sie ein Geräusch hör- te, das ihr zunächst Angst machte. In der Abschlussuntersuchung wurden sowohl mit dem DISYPS-III FBB-ANG, ausgefüllt durch die Mutter, als auch mit dem FBB-SBB-ANG keine klinischen Ängste mehr ermit- telt (auf keine der Subskalen wurde eine Stanine > 7 erreicht). Auch zum Katamnesezeitpunkt ein halbes Jahr nach Therapie- ende erfüllte C. die Kriterien einer Angststörung nicht mehr. C. berichtete zwar von gelegentlicher Angst in Trennungssitu- ationen, mithilfe der eingeübten Fertigkeiten komme sie aber mit dieser gut zurecht. Fazit Das hier vorgestellte innovative Konzept der experientiellen Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen könnte einen Beitrag dazu leisten, eine bewusste und enge Anbin- dung an tiefere Erlebensschichten mit Hilfe des Felt Sense in der Psychotherapie umzusetzen, damit Denken, Fühlen und Handeln möglichst nah zueinander finden können. Kritisch anzumerken bleibt jedoch, dass die experientielle Verhaltens- therapie noch der empirischen Fundierung bedarf. Dennoch ermutigt die langjährige psychotherapeutische Praxis schon jetzt, den Ansatz der experientiellen Verhaltenstherapie wei- ter zu verfolgen. Literatur Hinweis: Wir veröffentlichen an dieser Stelle nur eine Auswahl der wichtigsten Quellen. Das vollständige Literaturverzeichnis für diesen Artikel finden Sie auf unserer Homepage unter www.psychotherapeutenjournal.de . Gendlin, E. (1998). Focusing-Orientierte Psychotherapie: Ein Handbuch der Erlebensbezogenen Methode. München: Pfeiffer. Gendlin, E. (2002). The Experiential Response. Verfügbar unter: http://www. daf-focusing.de/wp-content/uploads/Gendlin-Experiential-Response-2002. pdf [18.02.2018]. Gendlin, E. & Wiltschko, J. (2011). Focusing in der Praxis. Eine schulenüber- greifende Methode für Psychotherapie und Alltag, Stuttgart: Pfeiffer bei Klett- Cotta. Gendlin, E. (2012). Focusing: Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Proble- me (Übers. v. K. Schach; 11. Aufl.). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt. Heidenreich, T., Michalak, J. & Eifert, G. (2007). Balance von Veränderung und achtsamer Akzeptanz: Die dritte Welle der Verhaltenstherapie. Balancing Change and Mindful Acceptance: The Third Wave of Behavior Therapy. Ver- fügbar unter: https://www.researchgate.net/publication/261841453_Die_ dritte_Welle_der_Psychotherapie [18.02.2018]. Michalak, H. (2013). Die Dritte Welle der Verhaltenstherapie-Grundlagen und PraxiS. Weinheim und Basel: Beltz. Rogers, C. (2003). Client Centered Therapy: Its Current Practice, Implications and Theory. New edition. New York: Robinson. Sachse, R., Atrops, A. W. F. & Maus, C. (1992). Focusing: Ein emotionszent- riertes Verfahren. Bern: Huber. Stapert, M. (2000). Focusing mit Kindern. In H. Feuerstein, D. Müller & A. Weiser Cornell (Hrsg.), Focusing im Prozess: ein Lesebuch (S. 296–310). Köln: GwG. Stumm, G. & Keil, W. (Hrsg.). (2014). Praxis der Personzentrierten Psychothe- rapie, Berlin: Springer. 252 Psychotherapeuten journal 3/2019 Experientielle Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen

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