Psychotherapeutenjournal 3-2020

Hintergrund D ie Diskussion um v. a. die finanziellen, aber auch die sonstigen Rahmenbedingungen der Psychotherapie- ausbildung besteht seit Inkrafttreten des Psycho- therapeutengesetzes (PsychThG) 1999. Das langjährige Bemühen um die eigenverantwortliche Verankerung der Psychotherapie für Psychologen und – in der Kinder- und Ju- gendlichenpsychotherapie – für Pädagogen, Heilpädagogen u. a. in einem eigenen Heilberuf wurde durch dieses Gesetz erfolgreich abgeschlossen und gilt als Meilenstein für die Versorgung psychisch kranker Menschen sowie für die Psy- chotherapie in Deutschland. Während vor 1999 Behandlun- gen durch nichtärztliche Psychotherapeuten im Rahmen der Gesetzlichen Krankenkassen nur im Delegationsverfahren, also unter Aufsicht und Verantwortung eines ärztlichen Psy- chotherapeuten möglich war, konnten nun Psychotherapien unter dem Schirm einer eigenen Berufsaufsicht durch neu geschaffene Psychotherapeutenkammern eigenständig, oh- ne ärztliche Aufsicht durchgeführt werden (Nübling, 2009). 2 Schon kurz nach Inkrafttreten des PsychThG wurde Reform- bedarf gesehen, u. a. in Bezug auf die im Gesetz vorgeschrie- benen 1.800 Stunden im Rahmen der Praktischen Tätigkeiten I und II (Fydrich, 2004; Kuhr & Ruggaber, 2003; Nilges, 2004; Rabbata, 2003). Zu den „fehlenden gesetzlichen Bestim- mungen für die Vergütung“ von Ausbildungsteilnehmenden wurde 2004 sogar eine Petition in den Bundestag eingereicht (Richter, 2004). Erste empirische Arbeiten wiesen bereits Mitte der 2000er-Jahre auf die prekäre und zum Teil ausbeu- terische Situation der PiA vor allem in den Praktischen Tätig- keiten I und II hin (Busche et al., 2006; Hölzel, 2006). Bevor allerdings etwas an der Situation geändert wurde, hatte das Gesundheitsministerium ein umfangreiches Forschungsgut- achten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse 2009 vorla- gen (Strauß et al., 2009). Auch in diesem Gutachten wurden die prekären Ausbildungsverhältnisse dargestellt und kritisiert (Glaesmer et al., 2009; Sonntag et al., 2009). Zehn Jahre nach Publikation des Gutachtens konstatieren Fliegel et al. (2019), dass sich auch nach dem Gutachten noch immer nichts ge- ändert habe. Weitere empirische Erhebungen zur Psychothe- rapieausbildung (Bundespsychotherapeutenkammer [BPtK], 2014; Klein-Schmeink, 2017) und zuletzt auch die PiA-Studie 2019 erbrachten diesbezüglich ebenfalls ernüchternde Befun- de (Nübling et al., 2020). Zwischenzeitlich wurde Ende 2019 die seit mehreren Jahren vorbereitete, kontrovers diskutier- te Ausbildungsreform von Bundestag und Bundesrat verab- schiedet. Sie schreibt für künftige Ausbildungsgenerationen bessere finanzielle Bedingungen v. a. in der zweiten Qualifi- zierungsphase – der sogenannten beruflichen Weiterbildung – vor, die der bisherigen Ausbildungsphase entspricht (Munz et al., 2020) . Wenig untersucht wurden bislang die Rahmenbedingungen an den Ausbildungsinstituten sowie im Abschnitt der PA. Nach § 8 Abs. 3 (5) PsychThG umfasst die PA mindestens Psychotherapeuten 1 in Ausbildung (PiA): Rahmenbedingungen in den Ausbildungsinstitu- ten und Abschnitt der Praktischen Ausbildung Ergebnisse der PiA-Studie 2019 – Teil II Rüdiger Nübling, Lilian Hartmann, Sophia Murzen, Katharina Niedermeier & Rainer Petzina Zusammenfassung: Die PiA-Studie 2019 untersucht die Situation der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA). In einer Online-Befragung wurden vor allem Daten erhoben, die sich auf die Rahmenbedingungen in den Ausbildungsabschnit- ten der „Praktischen Tätigkeiten“ (PT I und PT II) sowie in der „Praktischen Ausbildung“ (PA) beziehen. Teilgenommen haben bundesweit ca. 2.600 PiA. Der vorliegende Beitrag schließt an den in Ausgabe 2/2020 des Psychotherapeutenjour- nals publiziertenTeil I an und konzentriert sich auf die allgemeinen Rahmenbedingungen der Ausbildung, die Gesamt- kosten sowie auf die PA. Es zeigten sich größere Unterschiede – etwa bei der Ausbildungsdauer, den Kosten der Ausbil- dung, den Einnahmen während der PA sowie bei der Zufriedenheit der Ausbildungsteilnehmenden mit der Ausbildung – u. a. zwischen den Verfahren und den Ausbildungsinstituten. Die Ergebnisse werden kritisch diskutiert. 1 Zu der mit der Ausgabe 4/2017 eingeführten geschlechtersensiblen Schreib- weise im Psychotherapeutenjournal lesen Sie bitte den Hinweis auf der vorde- ren inneren Umschlagseite. Bei dieser Ausgabe handelt es sich um ein Heft in der männlichen Sprachform. 2 Zu den hier kursiv ausgewiesenen Kurztiteln finden Sie ausführliche bibliogra- fische Angaben am Ende des Artikels, das vollständige Literaturverzeichnis auf der Homepage der Zeitschrift unter www.psychotherapeutenjournal.de . 222 Psychotherapeuten journal 3/2020

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